Jaeger auf der Pirsch im Jagdrevier

Pirsch

Als Pirsch bezeichnet der Jäger das aufmerksame, leise und langsame durchstreifen des Reviers zu Fuß. Die Pirsch bietet sich vor allen Dingen im Wald an, jedoch auch am Waldrand oder am Rand von Gewässern. Dabei muss der Jäger stets auf die Windrichtung achten, damit er sich dem Wild so nähern kann, dass er dieses früher wahrnimmt als das Wild den Jäger. Bei der Pirsch spricht man auch von einem Pirschgang.

Pirschgang durchs Revier.

Der Pirschgang wird durch häufige Beobachtungspausen unterbrochen. Der Jäger kann an günstigen Beobachtungsplätzen, etwa am Waldrand oder an Lichtungen im Wald, Waldwiesen oder Gewässern anhalten, um von dort aus nach Wild Ausschau zu halten. Um möglichst lautlos an diese Stellen zu gelangen kann der Jäger im Revier sogenannte Pirschpfade anlegen. Diese hält der Jäger mit einem einfachen Laubrechen von Ästen, Tannennadeln, Bewuchs und Laub – also von allem, was Geräusche verursachen kann, wenn man darauf tritt – frei. Das Anlegen solcher kleinen Wege (Pirschsteige) empfiehlt sich im übrigen auch, um lautlos zu den Ansitzeinrichtungen (Kanzel, Hochsitz) im Revier zu gelangen.

Die Pirsch ist die Krone der Jagd

Wegen ihres hohen Spaßfaktors gilt die Pirsch als die „Krone der Jagd“. Der Jäger muss dabei alle Sinne einsetzen und gerät trotz genauer Kenntnisse über das Verhalten des Wildes häufig in überraschende und spannende Situationen. Auf dem Pirschgang ist es immer möglich, dass das Wild plötzlich sehr dicht vor dem Jäger auftaucht, weil es ihn gar nicht wahrgenommen hat.

Ohne genaue Revierkenntnis keine Pirsch

Allerdings muss man als Jäger über genaue Revierkenntnis verfügen und sollte darauf achten, das Wild durch die Pirschgänge nicht unnötig zu stören. Insbesondere Rotwild, aber auch anderes empfindliches Hochwild, kann durch übermäßige Pirschgänge im Revier stark beunruhigt werden. Dies muss unbedingt vermieden werden. Ohne Revierkenntnisse pirscht man sich schlimmstenfalls in die Einstände des Wildes hinein, das kann das Wald tagelang beunruhigen oder sogar vergrämen.

Pirsch zum Ansitz – das kleine Abenteuer

Jäger, die keine oder wenig Erfahrung mit dem Pirschgang im Revier haben, oder in einem fremden Revier nicht über die notwendigen Revierkenntnisse verfügen um einen ausgiebigen Pirschgang vorzunehmen, können trotzdem auf ihre Kosten kommen, und den Nervenkitzel und das Abenteuer der Pirsch genießen. Dazu sollte man die Möglichkeit nutzen, sich an den Hochsitz oder allgemein an den Ansitzplatz auf dem Hin- und Rückweg vorsichtig anzupirschen. Gerade in der Nähe von Ansitzeinrichtungen kann es dabei häufiger vorkommen, dass der Jäger unerwartet auf Wild trifft. Das Wild im Revier gewöhnt sich nämlich häufig an die Ansitzeinrichtungen und verfügt instinktiv über eine genaue Kenntnis, welche Stellen im Blickwinkel der Ansitzeinrichtungen liegen. Eine kleine Ortsveränderung durch den Jäger bewirkt hier oft Wunder, was den Anblick von Wild anbelangt. Schlimmstenfalls vergrämt man sich das Wild an der Kanzel, die man anpirscht.

Pirsch zum weit entfernten Wild

Auch in den Fällen, wo man vom Ansitz aus in größerer Entfernung Wild beobachten kann, empfiehlt es sich im Einzelfall, den Hochsitz auch mal zu verlassen um sich an das Wild anzupirschen. So kann der Jäger möglicherweise doch noch in eine günstige Schussdistanz gelangen.

Langsam, ruhig und leise pirschen

Der Pirschgang sollte langsam und ruhig erfolgen, da die meisten Wildarten Bewegungen besser wahrnehmen können, als stehende oder sich kaum bewegende Objekte. Hastige Bewegungen werden auch das Wild sofort vergrämen, welches nicht so gut äugt. Am besten ist es auch, dass Wild nach dem ersten Anblick genau zu beobachten. Sobald ein Stück stark sichert, sollte man unbedingt stehen bleiben und abwarten, bis sich das Wild wieder der Futtersuche zuwendet. Natürlich muss man insbesondere bei Haarwild auch auf guten Wind achten. Hat man den Wind im Rücken, wird das Wild schon bald Witterung aufnehmen und abspringen.

Nicht jedes Wetter ist günstig für die Pirsch

Je nach Witterungsbedingungen sollte man den Pirschgang überhaupt nicht durchführen. Ist etwa im Herbst viel Laub auf den Pirschsteig gefallen, und ist dieses auch noch trocken, sollte man genauso wenig einen Pirschgang unternehmen, wie etwa bei gefrorenem Schnee. Die bei der Pirsch im Schnee verursachten Trittgeräusche des Jägers werden das Wild garantiert derart beunruhigen, dass man es nur vergrämt.

Die Pirsch ist nicht nur für die Jagd auf Schalenwild gedacht

Auch wenn die Pirsch hauptsächlich auf Schalenwild ausgeübt wird, kann man natürlich auch auf andere Wildarten einen Pirschgang unternehmen. Etwa können plötzlich einfallende Enten am Rande eines Gewässers genauso angepirscht werden wie Ringeltauben oder auch der Bau eines Hasen oder der Bau des Fuchses. Gerade in solchen Fällen wird die Ansitzjagd oft nicht erfolgreich sein, weil die Ansitzeinrichtung selten perfekt steht.

Mit der richtigen Kleidung gelingt die Pirsch besser

Bei der Pirsch sollte man natürlich auch auf angemessene Kleidung achten. In jüngerer Zeit kommt zunehmend Tarnbekleidung in Mode, die auch tatsächlich gewisse Vorteile hat. Je weniger der Jäger vom Wild gesehen wird, umso höher ist die Erfolgsaussicht auf der Pirsch Wild in Anblick zu bekommen. Tarnkleidung hilft hier in vielen Fällen, besonders wenn man damit das Profil bzw. die Silhouette des Jägers verschwinden lässt.

Pirschfahrt im Auto

Eine Sonderform der Pirsch ist die Pirschfahrt, die man in großen Revieren heutzutage mit dem Geländewagen ausüben kann. Dies geht natürlich nur mit Fahrzeugen, deren Motor ein relativ geringes Geräusch macht. Auch wenn das Fahrzeug aber vom Wild wahrgenommen wird, reagiert es häufig nicht auf das fahrende Fahrzeug. Gerade in Revieren wo Forstarbeiter häufiger mit Kraftfahrzeugen durch den Wald fahren müssen, lässt sich das Wild von einem fahrenden Auto in aller Regel kaum noch beunruhigen. Das gilt erst recht, wenn eine Straße durch das Revier verläuft. Erst wenn man die Geschwindigkeit stark verringert oder das Fahrzeug anhält, wird das Wild aufmerksam, sichert und springt letztendlich ab.

Hauptsächlich dient eine solche Pirschfahrt dazu, sich einen Überblick über das Jagdrevier zu verschaffen und geeignetes Gelände bzw. Beobachtungsmöglichkeiten auszukundschaften. Auch die generelle Bewegung des Wildes sowie die Einstände können auf einer Pirschfahrt überblicksartig erfasst werden. Einem Revierneuling kann man so auch einen schnellen Überblick über das Revier verschaffen, etwa ein paar Tage vor einer Drückjagd.

Schießen aus dem Auto auf der Pirschfahrt?

Das Schießen vom Kraftfahrzeug aus ist natürlich streng verboten (vgl. § 19 Abs. 1 Satz 1 Ziffer 11 BjagdG), es sei denn, der Jäger ist körperbehindert und hat eine Ausnahmegenehmigung der unteren Jagdbehörde. Sollte sich eine günstige Gelegenheit für den Jäger bieten, muss er in jedem Fall das Fahrzeug anhalten und aussteigen. Hier gilt jedoch das bereits oben Gesagte, dass das Wild häufig gerade dann auf das Fahrzeug aufmerksam wird, wenn man es anhält.

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